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Auf Abruf bereit und Rassismus ist eine Krankheit

Auch in dem kleinen Hafen von Gran Tarajal liegt ständig ein Team der Küstenwache und des spanischen Roten Kreuzes bereit. Täglich könnten Menschen mit kleinen Booten über den Atlantik an die Küste Fuerteventuras kommen.

Menschenhändler bringen sie mit kleinen Booten mitten auf den Atlantik und lassen sie allein, in der Hoffnung, dass sie gefunden werden. Hubschrauber und Flugzeuge der Guardia Civil und der Küstenwache sind ständig in der Luft und halten Ausschau nach diesen Menschen. Meistens werden sie von NGOs informiert, die wahrscheinlich wiederum von den Menschenhändlern informiert werden. Mit dem Unterschied, dass die NGOs nicht aus Profitgier handeln.

Für die anderen geht es nur ums Geschäft. Sie nutzen diese Marktlücke, auch wenn Menschen sterben. Hauptsache, die Kasse stimmt.

Schön, dass die Überlebenden auf den Kanaren mit dem Herzen aufgenommen werden. Auch obwohl dies in der jetzigen Zeit nicht ganz so einfach ist. Die Corona-Krise bestimmt gerade des politischen Handelns. Da sind die vielen Einwanderer natürlich eine zusätzliche Belastung.

Den Einwanderern aus Mauretanien und anderen Ländern kann kein Luxus geboten werden. Obwohl eine Matratze, ein warmes Essen und medizinische Betreuung für viele schon der reine Luxus ist.

Wir erlernen einen Beruf oder wir absolvieren ein Studium, um unsere materielle Existenz sichern zu können. Sie riskieren ihr Leben auf dem Atlantik, um nach Spanien zu kommen. Das ist für die meisten die einzige Hoffnung.

Die Canarios nennen sie Einwanderer und nicht Flüchtlinge. Sie nennen sie noch nicht einmal illegale Einwanderer. Auch sind es keine Menschen mit Migrations-Hintergrund. Natürlich gibt es auch hier welche, die sich von ihnen bedroht fühlen. Gerade jetzt, da viele von ihnen mit dem Covid 19-Virus infiziert sind. Sie sind aber keine Rassisten.

Hier ist man bereit, diesen Menschen zu helfen. Die Küstenwache bringt sie an Land und das Rote Kreuz übernimmt die erste Versorgung. Und danach sucht man einen Platz für sie.

Viele Canarios erinnern sich noch, als sie ihre Heimat verlassen mussten und in Afrika oder in Südamerika aufgenommen wurden. Im Grunde genommen sind die Canarios eine große Mischung von Einwanderern aus der ganzen Welt. Sie sind es gewohnt mit Menschen anderer Rassen oder anderer Hautfarben zusammenzuleben. Sie haben kein Problem, diese Menschen in den Arm zu nehmen. Liebevoll zu umarmen.

Die Frage ist, warum gibt es in Nordeuropa so viele Rassisten. Und was macht einen Rassisten aus? An erster Stelle steht ein latenter Rassismus. Das ist die Angst vor dem Fremden. Das kann man den Menschen nicht vorwerfen. Woher kommt diese Angst?

Diese Angst überträgt sich von den Eltern auf die Kinder. Kinder lernen in den ersten Jahren ausschließlich über die Emotionen. Sie beobachten die Eltern und fühlen, was sie spüren oder fühlen. Wenn die Mutter sich an der Herdplatte den Finger verbrennt und aufschreit, dann spürt das Kind den Schmerz über die Emotionen der Mutter. So ist es auch mit den Ängsten. Wenn die Mutter Angst vor Spinnen hat, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass das Kind diese Angst übernimmt. Es erlebt die Welt ja nicht mit dem Intellekt und macht keine rationalen Schlüsse. Dazu ist es noch nicht in der Lage.

Wenn also die Erwachsenen Ängste oder sogar Ekel vor Menschen mit einer anderen Hautfarbe empfinden, dann empfinden die Kinder ähnlich. So werden sie unbewusst zu latenten Rassisten erzogen.

Ein latenter Rassismus ist natürlich auch schon Gewalt, obwohl es nicht so gewollt ist. Denn die anderen Menschen spüren diese innere Ablehnung.

Leider führt das zu oft zu einer rohen Gewalt. Menschen verschiedener Rassen bekämpfen sich gegeneinander. Obwohl man auch bedenken muss, dass gewaltbereite Menschen immer einen Grund finden, andere Menschen zu verletzen. Ein kleiner Blickkontakt reicht aus.

Zur Zeit gibt es eine neue Welle von rassistischer Gewalt und von denjenigen, die den Rassismus bekämpfen wollen. Nur kann man Rassismus nicht bekämpfen. Man muss die Menschen vom Rassismus heilen. Im Grunde genommen brauchen wir eine kollektive Verhaltenstherapie. Meistens tragen diejenigen, die den Rassismus bekämpfen wollen und als Wortführer in der Öffentlichkeit auftreten, den Rassismus in sich. Ohne sich dessen bewusst zu sein. Weil sie kopfgesteuert sind. Aber nur mit dem Intellekt kann man den Rassismus nicht heilen.

Wir könnten von denjenigen lernen, wo Rassismus weniger vorkommt. Zum Beispiel von den Spaniern. Die Spanier sind stolze Nationalisten, aber keine Rassisten. Das war schon in der Geschichte so.

In den englischen Kolonien zum Beispiel gab es früher nur Weiße und Schwarze. Aber überall wo die Spanier mit ihren Schiffen hinkamen gab es eine bunte Mischung. Denn die Spanier gingen mit jeder Frau ins Bett, egal welcher Rasse oder welcher Hautfarbe sie waren. Sie fanden die Frauen anziehend, während die anderen sie abstoßend fanden.

Ich konnte früher keine Männer umarmen. Freunde lachten mich deswegen aus. Und ich fand es eigentlich auch blöd. Warum sollte ich denn nicht einen guten Freund in den Arm nehmen. Also nahm ich mir vor, dass ich jetzt alle Freunde, die mir nahe kamen umarmen würde. Es hat gar nicht lange gedauert, und die Männer-Umarmungs-Phobie war wie verschwunden. Vielleicht sollten wir die Rassisten zwingen, Türken, Schwarze und Gelbe zu umarmen, bis sie selbst feststellen, dass diese innere Ablehnung anderen Rassen gegenüber sich auflöst und keinen Sinn macht.

Wenn man den Rassismus bekämpfen will, baut man nur noch zusätzliche Blockaden auf, die zu noch mehr Gewalt führen. Wir sollten nicht gegen Rassismus sein, sondern für Menschlichkeit. Und vor allem anderen für die Liebe.

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