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Von Dorf zu Dorf

Ein Ausflug nach Las Playitas und dem Leuchtturm de la Entallada.

Um einen Ort richtig gut kennenzulernen, ist es gut, sich per pedes fortzubewegen, oder auch auf dem Rad. Um so näher man einem Menschen kommt, umso besser kann man seiner Seele begegnen. So ist es auch mit neuen Plätzen, Landschaften, Bergen und Tälern. 

Man spürt seinen Atem und kann seine Haut ertasten.

Von Gran Tarajal aus geht es durch die Wüste. Weil es auf Fuerteventura immer durch die Wüste geht. Man begegnet zwei Siedlungen, die erst vor relativ kurzer Zeit entstanden sind. Manche pflanzen einen Baum und ein paar Blumen in die karge Landschaft hinein.

Man fragt sich warum die Menschen hier wohnen. Können sie nicht anders? Oder wollen sie es nicht anders? Auf Teneriffa, Gran Canaria oder La Palma und La Gomera wächst das Gemüse von alleine. Hier kostet es viel Schweiß und viel Liebe. Vielleicht ist es genau das, was den besonderen Reiz ausmacht.

Las Playitas gehört zu den pittoresken Dörfern Fuerteventuras. Eine schöne Bucht und ein kleiner mit Häusern bebauter Berg oder Hügel. Man wird der Aussicht nie müde, vor allem, wenn morgens die Sonne über dem Atlantik aufgeht. Es gibt noch ein paar Fischerboote, die manchmal sogar benutzt werden. Das Fischen aber wird immer mehr zu einer Freizeitbeschäftigung. Es ist lange her, dass ein Fischer mit seinem kleinen Boot seine Familie ernähren konnte. 

Die Bestimmungen der EU machts möglich, dass es nicht mehr möglich ist. Sie geben vor, dass sie mit ihren Bestimmungen die Konsumenten schützen wollen. Aber in Wirklichkeit zerstören sie Existenzen und ein Stück Kultur. Noch vor ein paar Jahren konnte man einem Fischer den frischen Fisch aus seinem Kahn heraus kaufen, ihn am Strand säubern und gleich zu Hause in die heiße Pfanne legen. Das ist heute verboten. Die Fischer werden dazu verpflichtet, ihren Fang an die kontrollierten Genossenschaften, natürlich zu ihren Preisen, zu verkaufen. Dort wird er dann sofort tiefgefroren. Das lohnt sich nur noch für die Fischer mit großen Booten. 

Und das soll jetzt besser sein. Besser schmecken, tut es sicherlich nicht.

Es riecht nach Meer an der Promenade Las Playitas. Oder besser, es duftet nach Atlantik. Nach Meerwasser, nach Algen, Sand und Kieselsteinen. Obwohl es in Las Playitas seit ein paar Jahren ein großes Sporthotel gibt, ist nicht viel los im Dorf. Man kann noch im Schlafanzug über die Straße zum kleinen Bäcker gehen, der fast 24 Stunden am Tag geöffnet hat. Hier wird man noch mit Namen begrüßt. Alle heißen «Hola».

Für Hektik muss man selbst sorgen, und der hält dann auch nicht lange an. Es gibt ein paar Restaurants mit einheimischer Küche, die aber zum großen Teil von Einheimischen besucht werden. All inclusive ist Gift für die Einheimischen Unternehmer.

Kinder springen von der kleinen Mole ins Wasser, klettern wieder heraus und springen wieder hinein. An der Spitze des Kais sitzen ein paar Angler, die für ihren eigenen frischen Fisch sorgen wollen. 

Es tut gut in die Ruhe des Dorfes einzutauchen. Besuchen Sie Las Playitas auf eigene Faust. Von Reiseführern angepeitschte Touristengruppen halten meistens nur kurz. Ein paar Fotos, und es geht sofort weiter zum nächsten Ort. Quantität anstatt Qualität.

Danach geht es auf meiner Route durch ein, wen wundert´s, trockenes Tal. Hier findet man ein paar vereinzelte Fincas. Man kann sich in die Härte dieses Lebens hineinfühlen. Aber tauschen wollen diese Menschen nicht. Wer möchte schon den inneren Frieden gegen unkontrollierte Hektik eintauschen?

Man findet kleine Häuser dessen Sinn man nicht versteht. Es können Hütten für Wasserpumpen sein, oder für Generatoren. Das Brunnenwasser musste ja irgendwie an die Häuser gebracht werden.

Am Ende dieses Tales liegt auf der rechten Seite der Leuchtturm de la Entallada. Ein Leuchtturm aus alten Zeiten. Mit zwei Wohnungen für die Menschen, die früher dort gewohnt haben. Das Leuchtfeuer musste ja ständig kontrolliert werden. Es sind nur 92 km von hier aus bis an die afrikanische Küste, der Sahara, früher spanische Sahara. Es gab einen regen Schiffsverkehr von dort aus auf die Kanarischen Inseln, an Fuerteventura vorbei nach Las Palmas und nach Santa Cruz de Tenerife. 

Bei guter Sicht soll man von hier aus die afrikanische Küste sehen können. Aber vielleicht ist das auch nur eine Fata Morgana. Es passiert ja sonst nichts, hier, auf diesem einsamen Felsen.

Nur, dass man Energie tankt, und sich verdammt wohl fühlt, wenn man sich die Zeit dazu nimmt. Bringen Sie etwas zum Trinken und zum Essen mit, wie es die Einheimischen auch immer gemacht haben. Sie werden diesem Ort sehr dankbar sein.

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